Keine Artikel im Anfragekorb

Mediathek

Themen rund um den Reinraum. Stöbern Sie durch unsere Mediathek.

Qualifizierungsprozess in einem technischen Bereich.

Wissen

Was bedeutet GMP?

GMP-Richtlinien zur Qualitätssicherung

Richtlinien für die Qualitätssicherung in Reinräumen sind entscheidend, da sie eine kontrollierte Umgebung mit minimalen luftgetragenen Partikeln sicherstellen. In Pharmaindustrie und Arzneimittelproduktion können selbst kleinste Verunreinigungen die Produktqualität beeinträchtigen und erhebliche Gefahren verursachen. Die GMP-Richtlinien sind hier der entscheidende Standard für die Arbeit in einem Reinraum.

Was ist die Bedeutung von GMP?

GMP steht für Good Manufacturing Practice, also gute Herstellungspraxis.  
Unter GMP versteht man Richtlinien zur Qualitätssicherung, welche gleichbleibende Qualitätsstandards bei der Produktion und Prüfung von Arzneimitteln oder Wirkstoffen sicherstellen. Aber auch die Herstellung von Kosmetika oder Lebensmitteln kann sich auf die menschliche Gesundheit auswirken, die dabei im Vordergrund steht. Bei der GMP-Bedeutung geht es also darum, bei der Produktion die Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der Produkte zu gewährleisten und Risiken für die Verbraucher zu minimieren.

Welche GMP-Richtlinien gibt es?

Bei der Produktion von sensiblen Produkten innerhalb der EU müssen die GMP-Richtlinien des sogenannten EU-GMP-Leitfaden berücksichtigt werden. Um GMP-konform zu arbeiten, müssen die Hersteller demnach ein Qualitätsmanagementsystem einführen, das unter anderem folgende Aspekte der Produktion umfasst:

  • Qualifizierung von Personal, Anlagen und Geräten
  • Validierung von Prozessen und Methoden
  • Dokumentation aller Schritte und Maßnahmen
  • Kontrolle von Rohstoffen und Endprodukten
  • Rückverfolgbarkeit von Chargen
  • Einhaltung von Hygiene- und Reinraumvorschriften

Dabei müssen alle Schritte dokumentiert und validiert werden, um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit zu ermöglichen.

Sind die GMP-Richtlinien verpflichtend?

Das Befolgen der GMP-Richtlinien ist für Hersteller verpflichtend, die ein Medikament zulassen und auf den Markt bringen wollen. Dabei gilt, dass die GMP-Richtlinien des Landes anzuwenden sind, in dem die Herstellung liegt. Für ein Unternehmen mit Arzneimittelproduktion in Deutschland ist z. B. der EU-GMP-Leitfaden ausschlaggebend. Die darin definierten GMP-Anforderungen werden durch das deutsche Arzneimittelgesetz (AMG) und die Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung (AMWHV) verpflichtend.

Die Einhaltung der GMP-Richtlinien wird durch die staatlichen Arzneimittelbehörden (GMP/GDP Inspektorate) überwacht. In Deutschland erfolgt die Überwachung der GMP-Richtlinien z.B. in Verantwortung der Bundesländer. In der Regel ist das Regierungspräsidium oder die Bezirksregierung dafür zuständig. Nach erfolgreicher Prüfung nach dem GMP-Leitfaden, erhält das Unternehmen ein GMP-Zertifikat. Dieses bestätigt offiziell, dass der geprüfte Herstellungsprozess den festgelegten "Good Manufacturing Practice"-Standards für Qualität und Sicherheit entspricht.

Muss die GMP Produktion in Reinräumen erfolgen?

Der Anhang 1 des EU-GMP-Leitfaden gibt klare Vorgaben für die Herstellung steriler Produkte, die in reinen Bereichen erfolgen muss, in die das Personal und/oder Geräte und Materialien nur über Schleusen gelangen können.  Die Anforderungen an die Reinräume legen unter anderem die Reinraumklassifizierung, Luftqualität, Sterilisation und Mindestintervalle für wiederholte Qualifizierungen fest.

Für die Reinraumproduktion steriler Arzneimittel werden im GMP-Leitfaden vier Klassen unterschieden:

  • Klasse A: Die lokale Zone für Arbeitsvorgänge mit hohem Risiko, zum Beispiel Abfüllbereich, offene Ampullen und Fläschchen, Herstellung aseptischer Verbindungen.
  • Klasse B: für aseptische Zubereitung und Abfüllung; als Umgebung für eine Zone der Klasse A.
  • Klassen C und D: Reine Bereiche für die weniger kritischen Schritte

Die Reinraumklassen werden in Übereinstimmung mit der Norm EN ISO 14644-1 eingeteilt, die die erlaubte Partikelanzahl pro Kubikmeter Luftvolumen festlegt.
Für die Klassifizierung wird die Luft an verschiedenen Messpunkten im Reinraum gemessen, um die Partikelreinheit nachzuweisen. Insbesondere in den besonders kritischen GMP A und B Bereichen wird bei Betrieb ein permanentes Monitoring der Partikelbelastung durchgeführt und aufgezeichnet.

 

ACHTUNG: Revision EU-GMP-Leitfaden, Annex 1 wird am 25. August verbindlich

Der EU-GMP-Leitfaden, Annex 1 „Herstellung von sterilen Arzneimitteln“ wurde 2022 revidiert. Nach einjähriger Übergangsphase tritt er am 25. August 2023 verbindlich in Kraft. Die überarbeitete Version ist umfangreicher geworden und enthält beispielsweise höhere Qualifizierungsanforderungen mit aufwändigerer Dokumentation und Nachweispflicht sowie einer umfassenden Kontaminations-Kontrollstrategie. Bei konkreten Fragen zu einzelnen Punkten können Sie sich gerne an uns wenden.

 

Zurück